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Geschichte
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Das Kurgartenrestaurant ging zum Preis von 15.915,75 Mark an Frau Kersten über. Jetzt begann die fünfzigjährige Ära der Familie Kersten in diesem Haus. Unter der Familie Kersten sollte der Kurgarten von seinem äußeren Erscheinungsbild die endgültige Gestalt annehmen. 1909, am 25.11, wurde ein Bauantrag zur nochmaligen Vergrößerung des Saales gestellt. Die Vorbauten, sogenannte Veranden, die bis zu den Rundbogen reichten, wurden zugebaut und mit Fenstern versehen. Sie waren somit Bestandteil des Saales.
Die Zeit der stückweise angebauten Veranden war damit vorbei. 1910 wurden immer noch Badekuren in Wannen und Liegekuren angeboten. Im selben Jahr wurde eine neue Liegehalle errichtet. Nach ein paar Jahren Konsolidierung, erfolgte am 23. September 1923 der letzte große Bauantrag für den rechten zweigeschossigen Teil des Gebäudes. Hier wurde unten ein Windfang, eine große Gästegarderobe und im Obergeschoss eine Wohnung und Abstellräume errichtet. An der linken Seite des Saalgebäudes wurde ein Bühnenhaus mit dazugehörigen Umkleideräumen (Künstlergarderoben) und Innentoiletten für den Saal erstellt. Die Unternehmer Kersten bauten nicht nur, sie machten auch Umsätze. Die Goldenen 20er Jahre waren angebrochen. Die Inflation war überstanden und der Kurgarten war einer der größten Tanzsäle in Prenzlau.
Das Geschäft lief gut. Es brummte, wie man sagt. Mit der Beheizung der Einrichtung, zum größten Teil mit dem Saal, hatten die Kerstens Probleme. Gußeiserne Öfen mit überlangen Abzugsrohren waren daran Schuld. Am 1.10.1928 sperrte die Baupolizei den Saal mit der Auflage die vorhandenen Öfen durch neue bessere zu ersetzen. Laut Grundbuch wurde eine Grundschuld, die Frau Kersten übernommen hat umgewertet und zugunsten der Schultheiß-Patzenhofer Brauerei-Berlin eingetragen. Grundschuld = 3000 Goldmark gleich 1075,27 Gramm Feingold. Das uralte Nebengebäude, das als Küche genutzt wurde, drohte einzufallen. Die Betreiber kamen nicht um hin, noch mal zu investieren (letztmalig). 1938 wurde das Gebäude unterfangen und neu hergerichtet. Frau Luise Kersten muss eine sehr ausgeschlafene Frau gewesen sein. In Prenzlau herrschte in Beziehung Gaststättensektor Hochkonjunktur.
Seit dem die Nationalsozialisten an der Macht waren, stand in Prenzlau wieder Militär. Das Artillerieregiment Nr. 38 mit ca. 800 Mann, die Beobachtungsabteilung, ca. 200 Mann und der Flugplatz mit ca. 600 Mann. Flugschule, Aufklärungsgruppe ect. Die Gaststätten und vor allem die fünf Tanzsäle waren immer gut besucht. Aber die Saalbesitzer, wie wir wissen, führen auf Verschleiß. Frau Kersten, mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern, ließ ihren stark genutzten Saal nicht renovieren. Es kam soweit, das die Behörden Auflagen mit Strafandrohung erteilten. Bei Frau Kersten stießen sie auf taube Ohren. Die Wirtin hatte kein Geld. Die Geschäftskosten deckten immer gerade die Waren- und Betriebskosten. Die Umsatzeinzahlungen ließen auf diesen Konten keine Rücklagen zu. Ob die Nazis nicht an die Privatkonten der Kersten ranwollten oder konnten? Diese Sache gibt Rätsel auf. In einem mehrere Jahre wahrenden Streit stellte die Stadt das Geld für die Instandsetzung des Saales, im Jahr 1942, bereit. Es wurde ein nicht rückzahlbarer Zuschuss von ca. 400 Reichsmark gewährt. Alle größeren Betriebe und NS-Organisationen wurden gebeten, Beihilfen zu leisten. In den davor stattfindenden Auseinandersetzungen wurde immer betont, das der Kurgarten als einziger noch freier Saal, für Veranstaltungen erhalten bleiben muss. Der Gaststättenbetrieb Kurgartensaal konnte nicht als Lazarett genutzt werden, da er so gut wie keine Nebenräume hatte.
Der Kurgarten überlebte den Krieg und wurde von der Familie Kersten weiter bewirtschaftet. Die Wiedereröffnung erfolgte im Herbst 1945 mit der selben Struktur wie vor dem Krieg. Es war und blieb ein reiner Tanzsaal, der dann von dem meist jungen Publikum als "Schuppen" bezeichnet wurde. Frau Kersten und ihre Tochter zogen nach Berlin und der Sohn mit "Freund" übernahm den Betrieb. Zwischenzeitlich war mal ein halbes Jahr Pause, denn auf Befehl der Sowjets wurde Korn eingelagert.
Dann ging es weiter, der Kurgarten war nach dem Krieg für die Prenzlauer auch Konzert- und Theatersaal. Anfang der fünfziger Jahre trat die Volkseigene Handelsorganisation auf den Plan. Kersten vermietete seinen Betrieb an die HO. Ende 50 Anfang 60 waren die Kaufverhandlungen soweit gediehen, dass das Gelände und die Immobilie, die jetzt doch sehr marode war, in den Besitz der HO überging. Der Saal ist, wie wir festgestellt haben, auf aufgeschütteten Sumpfland gebaut. Alle Eigentümer hatten Probleme mit der Feuchtigkeit. Die HO ging daran und wollte die Sache lösen. Zuerst wurde das Uralthaus abgerissen und durch einen neuen massiven Küchen- und Wirtschaftstrakt ersetzt. Dann wollte man die Feuchtigkeit im Saal durch eine Osmosebekämpfung oder Sperrung in den Griff bekommen. Die Sache schlug jedoch fehl, das System zeigte nicht die erhoffte Wirkung. In Saal entfernte man die Bühne und ersetzte sie durch eine Bar. Der Fußboden wurde gesperrt (isoliert) und mit Parkett ausgelegt. Fünfundzwanzig Jahre nach der großen Rekonstruktion sollte der Saal noch Veranstaltungen und Tanzvergnügen unter sozialistischen Bedingungen für die Prenzlauer und ihre Gäste bieten. Die HO nannte das Lokal bei der Wiedereröffnung, nach der Renovierung, "HOG am Uckersee".
Dann kam 1990 die Wende. Der Sozialismus und die HO existierten nicht mehr, der Betrieb stand somit leer. Eine staatlich eingesetzte Treuhandgesellschaft übernahm die Immobilie. Es wurde ein Käufer gesucht. Es gingen einige Jahre ins Land bis einer gefunden wurde. Im April 1997 kaufte die Firma LAT Berlin, Inhaber Heinz Laternser, das Objekt. Offensichtlich mit der Absicht den Kurgarten wieder erstehen zu lassen. Der neue Eigentümer machte sich ans Werk. Die aufsteigende Feuchtigkeit in den Wänden wurde mit Nirostastahlplatten gesperrt. Das ganze Haus mit Styropor gedämmt, neue große Fenster und Türen eingebaut und zum Schluss verputzt und gestrichen. Der alte Name kam wieder an das Haus.
B. HEESE Quelle: ACTA Bd. 17 Bl. 58 u. 15 Stadtarchiv

Seit November 2002 weht ein frischer Wind durch die Gänge des Kurgrtens. Mit neuem Veranstalter und immer wieder individuellen Konzepten erfreut sich die Location in Prenzlau größerer Beliebtheit als je zuvor.
Durch Bernward Büker können die Besucher ein buntes Programm aus Konzerten, Diskos und Tanzveranstaltungen erleben.
So haben sich Eventreihen wie Maydance, Fritzdisko, Rauschzeit, Feinabstimmung und die regelmäßigen Auftritte der Band Right Now ein festen Platz gesichert.
Außerdem ist Bernward Büker immer interessiert an neuen Konzepten für Veranstaltungen und leistet somit in der Uckermark ein großen Teil an Jugendarbeit.
Der Kurgarten wird auch in Zukunft mit seiner traumhaften Lage am Uckersee seine Gäste begeistern und mit guter Musik verwöhnen.
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